Juan, der Hostelbesitzer aus Puerto Natales war an diesem Tag so freundlich und fuhr uns zum Busbahnhof, wo bereits unser Transfer nach El Calafate in Argentinien wartete. Die kurze, verbleibende Wartezeit bis zur Abfahrt verbrachte Mirjam begeistert mit dem Füttern von ein paar Strassenhunden und dem Kratzen komischer Stiche am ganzen Körper. Leider war sie in der vergangenen Nacht Opfer von sogenannten Bed Bugs geworden, welche sich wohl in ihrem Bett aufgehalten hatten.
Nur ~4 h sollte die Fahrt ins touristische Dörfchen dauern, von wo aus der berühmte Perito Moreno Gletscher besucht werden kann. Dieser ist einer der meistbesuchten Touristenattraktionen in Argentinien und einer der wenigen Gletscher, der sich (noch) nicht zurück zieht. Er besitzt eine Länge von 33 km und eine Fläche von ~250 km2, was insgesamt grösser als die gesamte Stadt Buenos Aires ist! Bekannt ist der Gletscher aber besonders dafür, dass er täglich mehrmals „kalbert“ und somit gewaltige Eismassen über 70 m tief in den Lago Argentino abwirft.
Angekommen in El Calafate mussten wir leider bald bemerken, dass unser vorgebuchtes Apartment leider etwas ausserhalb des Stadtkerns liegt. Wäre ja mit unseren Rollkoffern eigentlich kein Problem wenn nicht der grösste Teil aus unbefestigter Strasse bestanden hätte und wir nicht den 74 km Marsch in den Knochen hätten. Naja... immerhin schien die Sonne kräftig und erfreute unsere Gemüter.
Noch am selben Tag organisierten wir unseren Ausflug zum Gletscher. Mangels Liquidität (immer mal wieder ein Problemchen in Argentinien ;-) ) wurde uns angeboten, die super teure Fahrt zum Gletscher heute mit einer Anzahlung zu sichern und den Restbetrag dann einen Tag später im Bus zu bezahlen. Sehr freundlich... wir verbrachten somit den Rest des Nachmittags mit Einkaufen und dem Suchen einer Bank, bevor wir uns erschöpft ins weiche Bett fallen liessen.
Um 09:00 Uhr werden wir von unserem Transfer abgeholt und zum grossen Bus beim Busbahnhof gefahren. Der freundliche Mann, nennen wir auch ihn Sponsor, reisst uns in unbegründeter Hektik fast unsere Quittung aus den Händen und retourniert dafür das eigentliche Ticket. Meinen 700 Pesos in den Händen schenkt er dafür keinerlei Beachtung und kommandiert uns in den Bus. „Hmmm... Herr Sponsor wird unser Geld dann wohl später einziehen“, denken wir und schauen einander verdutzt an. Aber eben... jeder weiss an diesem Zeitpunkt der Geschichte ja bereits, weshalb der Mann seinen Namen verdient hatte.
Am Perito Moreno Gletscher angekommen, kaufen wir uns ein weiteres Ticket für eine Bootsfahrt an den Rand des Gletschers. Einfach nur beeindruckend, diese Wand aus Eis, welche sich vor dem Katameran immer höher auftürmte. Das blau leuchtende Eis bestaunend schossen alle Touristen links und rechts an uns vorbei ihre Fotos und erschraken nicht schlecht, als sich plötzlich mit donnerndem Getöse ein riesiger Eisbrocken löste und in den See fiel. Die dadurch ausgelöste Flutwelle war so gross, dass wir die Wellen sogar auf dem ca. 100 m entfernten Boot noch spüren konnten. Wow...
Nach einer Stunde auf dem See liefen wir für den restlichen Nachmittag noch entlang den Balkonpassagen, welche in verschiedenen Rundwegen die Gletscherzunge aus verschiedensten Perspektiven zeigt. Natürlich warteten allesamt nur darauf, dass sich erneut ein Brocken lösen würde und... wir konnten unser „Glück“ kaum fassen, als wir doch tatsächlich unten stehendes Video aufnehmen durften.
Abends trafen wir uns wieder einmal mit unseren französischen Freunden, Helen & Mathieu, und suchten uns ein feines Steakhouse aus. Das 400g schwere Filet schmeckte in dieser herrlichen und witzigen Gesellschaft besonders gut und wir tauschten unsere gegenseitigen Erfahrungen auf und neben dem Eis bis in die späten Abendstunden aus.
Bereits auf der Fahrt nach El Chalten bewunderten wir bei Sonnenschein die gewaltigen Anden und staunten ab den anderen Fahrgästen, die sich zwischen den Reihen durchquetschten um aus dem Frontfenster des Buses ein Foto zu schiessen. Bald bemerkten wir auch den Grund... die gesamte, raue Bergkette inklusive Fitz Roy war in der Abendsonne vollständig sichtbar.
Da das gesamte Bergdörfchen bereits Tage zuvor nahezu ausgebucht war, waren wir glücklich, noch ein Budgetzimmer für wenigstens zwei Nächte in einem Hotel erhascht zu haben. Noch bei der Ankunft an der Rezeption fragten wir beim diensthabenden Jüngling nach, ob eventuell in den kommenden Tagen doch noch ein Zimmer frei sei, wie das Wetter wird und was man in dem Dörfchen so alles machen könne. Leider wusste der Jungspund aber auf keine unserer Fragen eine Antwort und wir nahmen nahezu verzweifelt zur Kenntnis, dass er nicht einmal einen Tipp für irgendeine andere Unterkunft abgeben konnte.
Da der Wetterbericht ein Hoch für die kommenden zwei Tagen vorhersagte, wanderten wir bereits am kommenden Morgen zu den Cerro Torres, eine massive Gipfelkette mit herabfliessendem Gletscher direkt in einen Bergsee. Bei strahlendem Sonnenschein wanderten wir die ~20 km durch die bergige Landschaft und assen feine Brötchen vor dem Gletscher. Glücklicherweise waren wir Frühmorgens bereits gestartet und sahen somit auf dem Hinweg fast keine anderen Wanderer. Anders dann leider auf dem Rückweg. Als wir nach zahlreichen Überholmanövern eine geführte Gruppe aufholten, staunten wir nicht schlecht, als sich der vorauslaufender Gruppenguide plötzlich umdrehte und uns vorwurfsvoll mitteilte, dass wir keine Abkürzungen nehmen dürfen?! Wir dankten für seine doofe Bemerkung und teilten ihm nicht ganz sooo freundlich mit, dass er sich doch um seinen Kram kümmern soll. Hinter der langsamen Gruppe hatten wir lediglich halt gemacht um kurz ein Sandwich zu verdrücken :-D.
Wenig später half uns dann eine Französin, ein Bild von uns vor dem Bergmassiv zu machen. Wir staunten ab ihren fotografischen Fähigkeiten nicht schlecht und fragten auch gleich nach einem weiteren Foto. Obwohl die Berge auf dem ersten Schuss top getroffen waren, fragten wir sie freundlich, ob wir noch ein Foto kriegen bei welchem unsere Köpfe ebenfalls drauf sind [kopschüttelganzfest].
Am Abend war es dann erneut der Jüngling an der Rezeption, der uns auf Trab hielt. Innert weniger Stunden änderte er drei Mal seine Meinung und teilte uns jeweils mit, dass er für die dritte Nacht noch ein Zimmer frei habe bzw. dieses nun doch nicht mehr frei sei. Wir verzichteten schlussendlich auf dieses Hotel und buchten mit Helen & Mathieu gemeinsam ein Apartment. Auch den Abend verbrachten wir erneut mit den Beiden und kochten insgesamt EIN KILO feine Spaghetti Bolognese. Ich weiss... wir werden dick oder zumindest gefrässig nach Hause kommen ;-).
Den zweiten Tag in El Chalten wanderten wir zum Fitz Roy, einem der bekanntesten Gipfel in Südamerika. Um uns ein paar Kilometer Wanderung zu ersparen hatten wir einen Transfer zum Ausgangspunkt des Trails gebucht. Als der Fahrer uns mitteilte, dass wir besonders vom Glück gesegnet seien, einen solch schönen Tag mit herrlicher Sicht zu haben (dies sei überhaupt nicht selbstverständlich!) greift Sandro zum Fotoapparat und möchte vergebens ein Schnappschuss der herrlichen Kulisse schiessen. Leider war der Akku im Hotel geblieben... argh!!!
Die anschliessende, erneute 20 km Massenwanderung (!) bewältigen wir nahezu in Rekordzeit und genossen einen erneut unvergesslich schönen Tag in den Bergen. Vom Gipfel waren wir so überwältigt, dass wir nach dem Mittagsessen in der warmen Sonne für fast eine Stunde einschliefen. Mirjam sammelte dabei sogar so viel Energie, dass Sie kurzerhand von den Genen ihrer Mutter überwältigt wurde und auf der Rückwanderung an die 1000 Fotos mit ihrem Handy schoss ;-) Okay... die Szenerie war auch tatsächlich jedes Mal einen Knipser wert und das zweite Mitglied der Gruppe einfach nur neidisch, weil sein Fotoapparat ohne Power war :-(.
Nachdem wir in den vergangenen Wochen wohl mehr gewandert waren als üblicherweise in einem "normalen" Jahr, genehmigten wir uns vor der Weiterfahrt in den Norden einen vollen Tag ohne jeglichen Plan. Wir schliefen lange aus, schrieben Blog in einem Kaffee und spielten Jazzi mit unseren Freunden. Das Wetter war übrigens an diesem Tag tatsächlich erneut so schlecht, dass die Berge völlig in den Wolken verhüllt waren und den heutigen Wanderern keinen Blick gegönnt war.
Abends um 21:00 Uhr startete dann unser Bus seinen Motor und bewegte seine Räder Richtung El Bolson. Eine fast 23-stündige Fahrt lag vor uns und wir waren gespannt, ob wir die Nacht auf dem Bussitz überleben würden und welches Körperteil uns als erstes Schmerzen abfallen würde...
| Wieder einmal im Bus.... |
| Für müde aber sehr hungrige Reisende: easy Abendessen im Apartment, Wein aus dem Tetrapack |
| Perito Moreno Glacier |
| Abendessen mit Helen & Matthieu. Natürlich Argentinisches Filetsteak...köstlich! |
| Das Wandern ist des WTMS-Lust...heute zu den Cerro Torres |
| Die Cerro Torres Gipfel vor dem Gletschersee. Wow! |
| Was für ein Bergpanorama, oder? |
| Entspannen im Hotel... |
| 2. Tag: Auf zum Fitz Roy Massiv |
| Keine Photomontage! Wir hatten wirklich stahlblauen Himmel... |
| Vor dem Nickerchen gibt es noch eine kurze Umarmung und dann... |
| Schnarch...pffff...schnarch :-) |
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen