Sonntag, 5. Februar 2017

Argentinien - El Calafate bis El Chalten

20. bis 25. November 2016

Juan, der Hostelbesitzer aus Puerto Natales war an diesem Tag so freundlich und fuhr uns zum Busbahnhof, wo bereits unser Transfer nach El Calafate in Argentinien wartete. Die kurze, verbleibende Wartezeit bis zur Abfahrt verbrachte Mirjam begeistert mit dem Füttern von ein paar Strassenhunden und dem Kratzen komischer Stiche am ganzen Körper. Leider war sie in der vergangenen Nacht Opfer von sogenannten Bed Bugs geworden, welche sich wohl in ihrem Bett aufgehalten hatten. 

Nur ~4 h sollte die Fahrt ins touristische Dörfchen dauern, von wo aus der berühmte Perito Moreno Gletscher besucht werden kann. Dieser ist einer der meistbesuchten Touristenattraktionen in Argentinien und einer der wenigen Gletscher, der sich (noch) nicht zurück zieht. Er besitzt eine Länge von 33 km und eine Fläche von ~250 km2, was insgesamt grösser als die gesamte Stadt Buenos Aires ist! Bekannt ist der Gletscher aber besonders dafür, dass er täglich mehrmals „kalbert“ und somit gewaltige Eismassen über 70 m tief in den Lago Argentino abwirft. 

Angekommen in El Calafate mussten wir leider bald bemerken, dass unser vorgebuchtes Apartment leider etwas ausserhalb des Stadtkerns liegt. Wäre ja mit unseren Rollkoffern eigentlich kein Problem wenn nicht der grösste Teil aus unbefestigter Strasse bestanden hätte und wir nicht den 74 km Marsch in den Knochen hätten. Naja... immerhin schien die Sonne kräftig und erfreute unsere Gemüter. 

Noch am selben Tag organisierten wir unseren Ausflug zum Gletscher. Mangels Liquidität (immer mal wieder ein Problemchen in Argentinien ;-) ) wurde uns angeboten, die super teure Fahrt zum Gletscher heute mit einer Anzahlung zu sichern und den Restbetrag dann einen Tag später im Bus zu bezahlen. Sehr freundlich... wir verbrachten somit den Rest des Nachmittags mit Einkaufen und dem Suchen einer Bank, bevor wir uns erschöpft ins weiche Bett fallen liessen.   

Um 09:00 Uhr werden wir von unserem Transfer abgeholt und zum grossen Bus beim Busbahnhof gefahren. Der freundliche Mann, nennen wir auch ihn Sponsor, reisst uns in unbegründeter Hektik fast unsere Quittung aus den Händen und retourniert dafür das eigentliche Ticket. Meinen 700 Pesos in den Händen schenkt er dafür keinerlei Beachtung und kommandiert uns in den Bus. „Hmmm... Herr Sponsor wird unser Geld dann wohl später einziehen“, denken wir und schauen einander verdutzt an. Aber eben... jeder weiss an diesem Zeitpunkt der Geschichte ja bereits, weshalb der Mann seinen Namen verdient hatte. 

Am Perito Moreno Gletscher angekommen, kaufen wir uns ein weiteres Ticket für eine Bootsfahrt an den Rand des Gletschers. Einfach nur beeindruckend, diese Wand aus Eis, welche sich vor dem Katameran immer höher auftürmte. Das blau leuchtende Eis bestaunend schossen alle Touristen links und rechts an uns vorbei ihre Fotos und erschraken nicht schlecht, als sich plötzlich mit donnerndem Getöse ein riesiger Eisbrocken löste und in den See fiel. Die dadurch ausgelöste Flutwelle war so gross, dass wir die Wellen sogar auf dem ca. 100 m entfernten Boot noch spüren konnten. Wow... 

Nach einer Stunde auf dem See liefen wir für den restlichen Nachmittag noch entlang den Balkonpassagen, welche in verschiedenen Rundwegen die Gletscherzunge aus verschiedensten Perspektiven zeigt. Natürlich warteten allesamt nur darauf, dass sich erneut ein Brocken lösen würde und... wir konnten unser „Glück“ kaum fassen, als wir doch tatsächlich unten stehendes Video aufnehmen durften.


Abends trafen wir uns wieder einmal mit unseren französischen Freunden, Helen & Mathieu, und suchten uns ein feines Steakhouse aus. Das 400g schwere Filet schmeckte in dieser herrlichen und witzigen Gesellschaft besonders gut und wir tauschten unsere gegenseitigen Erfahrungen auf und neben dem Eis bis in die späten Abendstunden aus.

Bereits auf der Fahrt nach El Chalten bewunderten wir bei Sonnenschein die gewaltigen Anden und staunten ab den anderen Fahrgästen, die sich zwischen den Reihen durchquetschten um aus dem Frontfenster des Buses ein Foto zu schiessen. Bald bemerkten wir auch den Grund... die gesamte, raue Bergkette inklusive Fitz Roy war in der Abendsonne vollständig sichtbar. 

Da das gesamte Bergdörfchen bereits Tage zuvor nahezu ausgebucht war, waren wir glücklich, noch ein Budgetzimmer für wenigstens zwei Nächte in einem Hotel erhascht zu haben. Noch bei der Ankunft an der Rezeption fragten wir beim diensthabenden Jüngling nach, ob eventuell in den kommenden Tagen doch noch ein Zimmer frei sei, wie das Wetter wird und was man in dem Dörfchen so alles machen könne. Leider wusste der Jungspund aber auf keine unserer Fragen eine Antwort und wir nahmen nahezu verzweifelt zur Kenntnis, dass er nicht einmal einen Tipp für irgendeine andere Unterkunft abgeben konnte.

Da der Wetterbericht ein Hoch für die kommenden zwei Tagen vorhersagte, wanderten wir bereits am kommenden Morgen zu den Cerro Torres, eine massive Gipfelkette mit herabfliessendem Gletscher direkt in einen Bergsee. Bei strahlendem Sonnenschein wanderten wir die ~20 km durch die bergige Landschaft und assen feine Brötchen vor dem Gletscher. Glücklicherweise waren wir Frühmorgens bereits gestartet und sahen somit auf dem Hinweg fast keine anderen Wanderer. Anders dann leider auf dem Rückweg. Als wir nach zahlreichen Überholmanövern eine geführte Gruppe aufholten, staunten wir nicht schlecht, als sich der vorauslaufender Gruppenguide plötzlich umdrehte und uns vorwurfsvoll mitteilte, dass wir keine Abkürzungen nehmen dürfen?! Wir dankten für seine doofe Bemerkung und teilten ihm nicht ganz sooo freundlich mit, dass er sich doch um seinen Kram kümmern soll. Hinter der langsamen Gruppe hatten wir lediglich halt gemacht um kurz ein Sandwich zu verdrücken :-D.

Wenig später half uns dann eine Französin, ein Bild von uns vor dem Bergmassiv zu machen. Wir staunten ab ihren fotografischen Fähigkeiten nicht schlecht und fragten auch gleich nach einem weiteren Foto. Obwohl die Berge auf dem ersten Schuss top getroffen waren, fragten wir sie freundlich, ob wir noch ein Foto kriegen bei welchem unsere Köpfe ebenfalls drauf sind [kopschüttelganzfest]. 

Am Abend war es dann erneut der Jüngling an der Rezeption, der uns auf Trab hielt. Innert weniger Stunden änderte er drei Mal seine Meinung und teilte uns jeweils mit, dass er für die dritte Nacht noch ein Zimmer frei habe bzw. dieses nun doch nicht mehr frei sei. Wir verzichteten schlussendlich auf dieses Hotel und buchten mit Helen & Mathieu gemeinsam ein Apartment. Auch den Abend verbrachten wir erneut mit den Beiden und kochten insgesamt EIN KILO feine Spaghetti Bolognese. Ich weiss... wir werden dick oder zumindest gefrässig nach Hause kommen ;-).

Den zweiten Tag in El Chalten wanderten wir zum Fitz Roy, einem der bekanntesten Gipfel in Südamerika. Um uns ein paar Kilometer Wanderung zu ersparen hatten wir einen Transfer zum Ausgangspunkt des Trails gebucht. Als der Fahrer uns mitteilte, dass wir besonders vom Glück gesegnet seien, einen solch schönen Tag mit herrlicher Sicht zu haben (dies sei überhaupt nicht selbstverständlich!) greift Sandro zum Fotoapparat und möchte vergebens ein Schnappschuss der herrlichen Kulisse schiessen. Leider war der Akku im Hotel geblieben... argh!!!

Die anschliessende, erneute 20 km Massenwanderung (!) bewältigen wir nahezu in Rekordzeit und genossen einen erneut unvergesslich schönen Tag in den Bergen. Vom Gipfel waren wir so überwältigt, dass wir nach dem Mittagsessen in der warmen Sonne für fast eine Stunde einschliefen. Mirjam sammelte dabei sogar so viel Energie, dass Sie kurzerhand von den Genen ihrer Mutter überwältigt wurde und auf der Rückwanderung an die 1000 Fotos mit ihrem Handy schoss ;-) Okay... die Szenerie war auch tatsächlich jedes Mal einen Knipser wert und das zweite Mitglied der Gruppe einfach nur neidisch, weil sein Fotoapparat ohne Power war :-(.

Nachdem wir in den vergangenen Wochen wohl mehr gewandert waren als üblicherweise in einem "normalen" Jahr, genehmigten wir uns vor der Weiterfahrt in den Norden einen vollen Tag ohne jeglichen Plan. Wir schliefen lange aus, schrieben Blog in einem Kaffee und spielten Jazzi mit unseren Freunden. Das Wetter war übrigens an diesem Tag tatsächlich erneut so schlecht, dass die Berge völlig in den Wolken verhüllt waren und den heutigen Wanderern keinen Blick gegönnt war. 

Abends um 21:00 Uhr startete dann unser Bus seinen Motor und bewegte seine Räder Richtung El Bolson. Eine fast 23-stündige Fahrt lag vor uns und wir waren gespannt, ob wir die Nacht auf dem Bussitz überleben würden und welches Körperteil uns als erstes Schmerzen abfallen würde...


Wieder einmal im Bus....

Für müde aber sehr hungrige Reisende: easy Abendessen im Apartment, Wein aus dem Tetrapack

Perito Moreno Glacier











Abendessen mit Helen & Matthieu. Natürlich Argentinisches Filetsteak...köstlich!
Das Wandern ist des WTMS-Lust...heute zu den Cerro Torres

Die Cerro Torres Gipfel vor dem Gletschersee. Wow!








Was für ein Bergpanorama, oder?
Entspannen im Hotel...
2. Tag: Auf zum Fitz Roy Massiv



Keine Photomontage! Wir hatten wirklich stahlblauen Himmel...


Vor dem Nickerchen gibt es noch eine kurze Umarmung und dann...
Schnarch...pffff...schnarch :-)




Freitag, 3. Februar 2017

Chile - Puerto Natales und NP Torres del Paine

11. bis 19. November 2016

Am Busbahnhof wurden wir wie gewohnt vom windigen Wetter in Patagonien empfangen und liefen mit unseren französischen Freunden, Matthieu und Helene durch das Städtchen zum vorgebuchten Hostel „Sendero“. Juan, der etwas verrückte und meist fluchende Inhaber, empfing uns mit breitem Grinsen und zeigt uns unsere fast sauberen Zimmer ;-). Wir stellten unsere Taschen nur kurz ab und trafen uns gleich wieder im Foyer bei Juan, wo wir eine kurze Übersicht über den W-Trek im Torres del Paine Nationalpark erhielten. Natürlich waren Juans Erläuterungen nur so gespickt von sarkastischen Witzen, aber das heiterte uns wenigstens ein bisschen auf. Nachdem wir von diversen Personen bereits gehört hatten, dass fast alles ausgebucht sei, waren wir nämlich ein bisschen angespannt. Immerhin wollten wir auf eine viertägige Wanderung (~80 km) gehen und brauchten dazu nebst der Verpflegung auch jeweils eine Unterkunft und diverse Transportmittel. 
  
Die Tour zu organisieren war dann auch wirklich nicht einfach. Die Unterkünfte im Park werden insgesamt von drei unterschiedlichen Organisationen (zwei für Hütten/Camping mit Zelt und eine für Freecamping) bewirtschaftet, welche an unterschiedlichen Standorten in der Stadt ihre Büros haben. Wir hetzten also zum ersten Büro (Fantastico Sur) und erfuhren dort nach kurzer Wartezeit, an welchen Tagen die Unterkünfte für die ersten beiden Wandertage frei sind. Um definitiv zu buchen, mussten wir aber zuerst wissen, ob die dritte Nacht auch noch frei ist. Also ging es los zur nächsten Organisation (Vertige) acht Strassen entfernt. Pffff... die nächste Warteschlange und viele Backpacker, die allesamt über das gleiche ärgerliche Organisationsdrama diskutierten. Immerhin passte dann der erwünschte Termin und wir konnten ein Zelt vor Ort inklusive Schlafmatte und Schlafsack reservieren. So müssen wir während der Wanderung weniger schleppen. Ein kurzer Sprint später waren wir zwei Minuten vor Feierabend wieder im ersten Büro angelangt und buchten dort dann noch für die ersten zwei Nächte ein ausgestattetes Zelt. Glücklich, dass nun doch alles so gut geklappt hatte, gönnten wir uns erstmal einen Burger und planten bereits die Einkaufsliste für den in drei Tagen anstehenden Hike. 

Mit unseren französischen Freunden verbrachten wir drei kurzweilige, aber stürmische und regnerische Tage und waren froh, dass wir noch nicht im Zelt übernachten mussten. Spannend wurde es jeweils im Gespräch mit anderen Reisenden. So z. B. auch mit einem Amerikaner, der um Mitternacht mitten im Flur fluchend sein Gepäck ausbreitete und uns verzweifelt mitteilte, dass sein Wanderrucksack einfach die Aufnahme aller seiner Utensilien verweigere. Wir staunten aber auch ab anderen Wanderern, die die Wanderung in voller Montur mit Tramper Rucksack machten uns sogar für Konfitüre, Kaffee usw. problemlos Platz fanden.

Dann war es endlich soweit und der Transferbus fuhr uns in drei Stunden in den Nationalpark Torres del Paine. Gemäss Prognose hätte sich das Wetter ab heute verbessern sollen, aber... starker Wind und leichter Eisregen machte uns den Ausstieg aus dem Bus nicht gerade einfach. Mit dem Katamaran ging es aber sofort weiter zum Paine Grande Camping wo wir sofort unser Zelt bezogen. Noch bevor unsere Mitreisenden ihr Zelt aufgestellt hatten, waren bereits unsere 33l Rucksäcke deponiert und wir wanderten mit den zwei kleinen Wanderbeutel und ein wenig Verpflegung los. 

Die anstehende Wanderung zum Grey Glacier von ~24 km Gesamtlänge wollten wir an diesem Nachmittag unbedingt schaffen und so liefen wir trotz feinem Dauerregen los. Patagonien hatte sich für diesen Tag einiges an Überraschungen ausgedacht und so wechselten wir mehrmals unsere Kleiderschichten, da sich Sonne, Regen, Schneefall und starke Böen regelmässig abwechselten. Aber... mit unseren guten Kleidern war dies kein Problem und Mirjam freute sich umso mehr, dass die in Ushuaia erworbenen Regenhosen nicht umsonst gekauft waren. Trotz nicht so optimalem Wetter konnten wir die wunderschöne Natur und schlussendlich einen hellblauen Gletscher im Sonnenschein bewundern. Kurz vor 9.00 Uhr am Abend hatten wir es zurück ins Camp geschafft und kochten uns leckere Pasta auf unserem neu gekauften Campingkocher. Einfach herrlich, etwas so gut duftendes zu essen und sich auf den morgigen Tag zu freuen... die Sonne sollte dann ganztägig scheinen :-).  

Die Nacht war „kackio“ [kackio = Hinterlassenschaft eines Tieres, ausgesprochen mit ital. Akzent]. Mirjam hatte sich erkältet und litt an starken Halsschmerzen. In drei Zelten rund um uns herum schnarchte es zusätzlich laut im Kanon. Hauptgrund für „kackio“ war aber der Schlafsack von Mirjam, der nicht gewaschen war und so höllisch nach Schweiss stank, dass wir diesen nicht gebrauchen konnten und gemeinsam bei einer Saukälte in einem Schlafsack „übernachteten“.

Wie prognostiziert wanderten wir am nächsten Tag bei herrlichem Sonnenschein für erneute ~20 km zum Camp Francais. Entlang dem kalkblauen See schlängelte sich der Wanderweg in Richtung Valle Francais wo wir zwischen den watteförmigen Wolken auch ab und zu bereits einen Gipfel der bis zu 1000 m steil abfallenden Granitfelsen erhaschen konnten. Unglaublich dieses Panorama! Im Camping liessen wir uns dann am frühen Nachmittag das am weitesten entfernte Zelt zuweisen, rochen skeptisch an unseren Schlafsäcken und kochten uns ein feines Pilzrisotto zum Abendessen. Die Nacht war herrlich :-).

Der dritte Tag führte uns aus dem Tal heraus zum Camp Torres, welches sich sozusagen auf der anderen Seite des Nationalparks befindet. Von dort aus starten die meisten Touristen ihre Tagestour zu den „Torres-Gipfel“, was auch für unseren vierten Tag der Plan war. Unsere mittlerweile etwas müden Knochen hatten besonders mit den letzten paar km zu kämpfen und der aufkommende Gegenwind, gespickt mit kalten Regentropfen, motivierte uns nicht besonders. Trotz der herrlichen Landschaft glaubten wir, dass wir den Zeltplatz wohl nie mehr erreichen würden. Müde erreichten wir an diesem wiederum herrlichen Abend endlich unser sehr kleines Zelt und genossen nach drei Tagen endlich wieder eine warme Dusche in der luxuriösen Unterkunft 100 m neben dem Zeltplatz. Mit Mathieu und Helen leisteten wir uns an diesem sonnigen Abend zur Stärkung noch ein feines Essen im überfüllten Restaurant. Erst Wochen später merkten wir dann, dass wir an diesem Abend das wohl bekannteste Dessert in Chile verspeisten. Es handelte sich dabei um eine im Süsswasser und Haferflockenbrei eingelegte Pfirsich und schmeckte uns nicht besonders :-D. 

Unser letzter Tag im Nationalpark startete um 6:00 Uhr morgens. Wir wollten vor dem Tagestourismus den Gipfel erreichen und somit ohne Stau wandern können. Obwohl die Wetterprognosen starken Wind prognostiziert hatten, waren wir bereits nach ein paar Metern enorm überrascht. Windböen von über 90 km/h wehten uns beim Laufen fast rückwärts und machten ein Einatmen für kurze Zeit fast unmöglich. Die einzige Möglichkeit in einem solchen Moment war für uns, kurz anzuhalten, umzudrehen und die Böen vorbeiziehen zu lassen. So schritten wir langsam und immer entgegen den Wind den Berg hoch. Unsicher, ob wir es heute überhaupt zu den Gipfeln schaffen würden, diskutierten wir natürlich auch mit anderen Wanderern, die „aufgaben“ und bereits nach ein paar Kilometern kehrt machten.

Ja, wir merkten bald... das heutige Tagesziel wollte uns der Berg nicht einfach so überlassen. Nach einer kurzen Pause in einer Berghütte liefen wir weiter durch Wälder bis zur Baumgrenze, wo wir schliesslich dem Regen/Schneefall ganz ausgeliefert waren. Aber: Einmal vor den „Torres“ Gipfeln und im Windschatten eines Felsen angekommen, verzogen sich sogar die Wolken "fast" gänzlich und wir genossen beim feinen Sandwich und gefrorenen Fingern die umwerfende Aussicht.

Den Rückweg brachten wir dank starkem Rückenwind schnell hinter uns. Zum Abschluss des W-Treks genossen wir zurück im Camp Torres mit Helene und Mathieu das in diesem Moment am weltbest schmeckende Bier in der Sonne :-) Patagonien du bist unglaublich!

An diesem Tag beendeten wir unsere bisher längste Wanderung. Vier Tage, drei (Zelt-)Nächte und ~80 km Marsch. Erinnern werden wir uns für immer an ein raues, abwechslungsreiches Wetter und eine einzigartige und wunderschöne Naturlandschaft. Wer die Chance kriegt, diesen Trek zu laufen, gehört aus unserer Sicht zu den privilegiertesten Wanderern* dieser Erde. 


*Zwei Wochen später trafen wir eine Reisende in Santiago de Chile, welche nach zwei Tagen aus Puerto Natales wieder abreisen musste. Der Trek war völlig ausgebucht und in der Stadt kein einziges Bett mehr frei...

W-Treck im Nationalpark Torres del Paine
Puerto Natales
Trainingseinheit vor dem W-Trek ;-)
Teil des "Hafens" in Puerto Natales...

Am Start des W-Treks...weshalb wir bei Eisregen lachen ist aber unklar :-D
Frisches Wasser aus dem Bergbach...herrlich und Teil unserer Nahrung für 4 Tage!
1.Tag: Grey Glacier



500g Pasta zum Abendessen... nach ~24 km lediglich ein "Appetizer"...
2. Tag: Start beim Paine Grande Camp, irgendwo im Nebel das Valle Francais


Mist... schon wieder ein Daumenabdruck auf der Linse :-/ .. die Wolken hier sind einfach fantastisch!




Blauer Himmel im Valle Francais... Schön!
Aussicht aus dem Valle Francais



Phu...Sonnenbaden und Ausruhen tut sooooo gut :-)


Camp Francais. Ganz oben, weit hinten ist unser Zelt :-)
3.Tag: Auf dem Weg zum Camp Torres.



Juhuii...endlich im Camp Torres (im Hintergrund) angekommen...
Unsere heute etwas sehr kleine Unterkunft. Das Bad ist übrigens hinten links :-) 

Jeah...trotz Sturm und Regen: wir haben es geschafft!!!
Die Torres fast ohne Wolken...


"Ufff... meine Knochen schmerzen, aber ich lass mir nichts anmerken...lalala juppiduu"
"Hmmm...ich weiss genau der blufft nur... ."
Ein letzter Blick zurück...


Gemeinsames Anstossen auf ein gelungenes Abenteuer im Torres del Paine National Park
Bye bye Torres del Paine - wir werden dich nie vergessen!!!